Im Reservat

Jun 20, 2021Kurzgeschichte

Im Reservat

Jun 20, 2021 | Kurzgeschichte

Die edlen Vertreter der Rothäute sind erloschen und übrig ist nur ein Rudel heulender Köter, die die Hand lecken, die sie quält. (…) Ihr Ruhm ist dahin, ihr Mut gebrochen, ihre Männlichkeit ausgelöscht; sollen sie besser sterben als weiterleben als die erbärmlichen Kerle die sie sind. (L. Frank Baum, Aberdeen Saturday Pioneer, späterer Autor von Der Zauberer von Oz)

Eingepfercht von einem grauen Maschendrahtzaun, liegen die Toten von Wounded Knee auf einer Anhöhe inmitten der weiten Prärielandschaft von South Dakota. Grabsteine und Holzkreuze, geschmückt mit Plastikblumen und US-Fähnchen, ragen aus dem schmutzig-gelben Präriegras. Eine graue Stele erinnert an Häuptling Big Foot. Die Inschrift verwittert, keine Jahreszahl, kein Hinweis auf ein Massaker. Vergessene Namen. Living Bear, Afraid of Bear, Young Afraid of Bear, White American, Red Fish. Der Himmel verwischtes Grau, passend zu Stele und Zaun und zu Louisas Stimmung.

Lustlos trottet Louisa hinter Konrad zwischen den Gräbern umher. Sie findet, dass es eine Schnapsidee war, die Interstate 90, die sie direkt in die Black Hills und zum Mount Rushmore geführt hätte, zu verlassen, um die schlecht beschilderte Abzweigung zur Pine Ridge Indian Reservation zu nehmen, doch Konrad hat sich natürlich mal wieder durchgesetzt.  Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses, indianischer Widerstand, Solidarität mit unterdrückten Minderheiten, blablabla, Louisa könnte kotzen, wenn er den Gutmenschen raushängen lässt. Ausgerechnet Konrad. Unterdrückte Minderheiten kannst Du Dir auch in Berlin anschauen, Roma, Homos, Asylanten, dafür brauchen wir nicht in die USA zu fahren, hat Louisa geantwortet. Konrad hat nur mit den Schultern gezuckt und ihr einen dieser Blicke zugeworfen, die besagten, dass sie eine Idiotin war. Die Stimmung zwischen ihnen ist jetzt gereizt. Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen. Sie trägt offene Sandalen, das Gras ist scharfkantig, und sie hofft inständig, dass es hier keine Klapperschlangen gibt. Konrad mimt den Interessierten,  kneift die Augen zusammen, stiert angestrengt auf die Steine und lässt den Blick ab und an sinnierend in die Ferne schweifen. Stell Dir vor, das war alles mal Sioux-Land, sagt er, sogar die Black Hills, solange die Sonne aufgeht, das Gras wächst und die Flüsse fließen, doch Louisa antwortet nicht. Ihr doch egal, sie will jetzt in ihr Hotel. Essen, duschen, Urlaub haben. Konrad zündet sich eine Zigarette an. Er nimmt einen tiefen Zug und hält sie ihr hin. Friedenspfeife gefällig? sagt er grinsend. Genau das ist es, was sie an Konrad so nervt, diese Nonchalance, mit der er ihre Bedürfnisse und Wünsche einfach so beiseite wischt, doch natürlich nimmt sie die Zigarette und inhaliert bis in die tiefsten Verästelungen ihrer Lungenflügel. Besiegt, denkt sie.

Durch den Fort Laramie-Vertrag von 1868 schrumpfte der Lebensraum der Sioux auf das südwestliche Viertel ihres  angestammten Territoriums. 1877 mussten sie dann auch noch die ihnen heiligen Black Hills abtreten. Die einst mächtigen und freien Stämme der Dakota lebten nun eingesperrt auf der Großen Sioux Reservation. Das Abschlachten der riesigen Büffelherden führte nicht nur zum Verlust ihrer Lebensgrundlage und der völligen Abhängigkeit von oft korrupten Agenten, sondern auch zum Verlust der Identität der Männer als Jäger und Ernährer. Das Leben im Reservat wurde mehr und mehr von Apathie, Armut und Alkoholismus geprägt. Louisa hasst es, wenn Konrad mit seinem angelesenen Wissen brilliert. Sie hat den kurzen Artikel über Wounded Knee selber im Reiseführer gelesen. Konrad ist jetzt in seinem Element. Winnetou-Syndrom, nennt Louisa das insgeheim. Kannst Du Dir vorstellen, wie sich das anfühlen muss, seine Freiheit zu verlieren? Diese pathetische Konrad-Stimme. Ich weiß genau, wie sich das anfühlt, denkt Louisa. Ich habe Hunger, sagt sie. Und außerdem müsste ich mal aufs Klo. Jetzt ist Konrad stinksauer, sie sieht es an der Art, wie er die Zigarette wegschnippt und mit dem linken Fuß wippt, doch er reißt sich zusammen. Wir  haben ja jetzt auch alles gesehen hier, oder?  fügt Louisa hinzu. Konrad schweigt einen Moment sein böses Schweigen, dann stapft er wortlos Richtung Auto. Louisa stapft hinterher.

Der Leihwagen, ein silberner Ford Escape, hockt wie ein massiges Tier inmitten der Graseinöde. Konrad drückt auf die Fernbedienung, und die Türschlösser schnappen auf. Er setzt sich ans Steuer und lässt den Motor aufheulen. Für einen kurzen Moment denkt Louisa, dass er sie hier zurücklassen wird, und ein Gefühl von Panik erfasst sie. Sie beschleunigt ihren Schritt und springt ein wenig atemlos auf den Beifahrersitz. Konrad gibt Gas. Der Escape rollt die schlecht geteerte Straße entlang, rechts und links Prärie, zerbrochene Glasflaschen, leere Bierdosen, Müll. Regen fällt in dünnen grauen Strichen gegen die Windschutzscheibe, ab und an ein Holzkreuz am Straßenrand,  armselige Hütten  oder ein Trailer Home mit ausgeschlachteten Autowracks, kaputten Kühlschränken und angeketteten kläffenden Hunden davor. Louisa fühlt sich wie im Zoo, nur dass es keine wilden Tiere zu sehen gibt.

Im Jahr 1889, als das Große Reservat aufgeteilt wurde und das Land der Sioux erneut zusammenschrumpfte, war der moralische Zustand  der Präriestämme derart von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung geprägt, dass eine Sonnenfinsternis im selben Jahr sie glauben ließ, nach dem Büffel verschwinde nun auch das Licht der Sonne für immer. Als der Paiute-Medizinmann Wovoka prophezeite, dass im nächsten Frühjahr, wenn das Gras kniehoch sei, die alte Erde gleich einem Teppich weggerollt würde, und mit ihr die Eisenbahn und die Bergwerke, die BIA-Agenturen, die Zäune, die Städte und die Weißen, und die Büffelherden,  die gefallenen Krieger und die durch Hunger und Kälte gestorbenen Frauen und Kinder zurückkehren würden, griff der Geistertanzkult um sich wie ein Fieber. Konrad tritt plötzlich auf die Bremse, Louisa macht einen Ruck nach vorne, bevor sie der Gurt auf den Sitz zurückschnellen lässt. Der Reiseführer fällt auf den Boden und erschrocken blickt Louisa auf. Aus den Augenwinkeln sieht sie, dass jemand am Straßenrand steht. Ein Anhalter. Konrad ist bereits ein Stück an ihm vorbei gefahren, bevor er es sich anscheinend anders überlegt hat. Der Mann hat jetzt den Escape erreicht und klopft gegen Louisas Fenster. Louisa lässt die Scheibe herunter und der Anhalter beugt sich ein wenig hinein. Sein langes schwarzes Haar klebt strähnig und nass am Kopf. Sein Gesicht ist flächig, die braune Haut unrein und auf den Wangen etwas blatternnarbig. Er trägt einen dünnen Oberlippenbart, unter dem sich jetzt die Lippen öffnen und eine Frage stellen, die Louisa nicht richtig versteht. Tiefe Stimme, breiter amerikanischer Akzent. Konrad nickt, und der Anhalter klettert auf den Rücksitz. Er setzt sich hinter sie, und Louisa meint, seinen Atem im Nacken zu spüren, doch vielleicht bildet sie sich das ja auch nur ein. Im Seitenspiegel sieht sie einen tätowierten kräftigen Oberarm und ein Stück von einem bedruckten T-Shirt. Sie hätte ihn gerne ein wenig näher ins Visier genommen, aber sie will sich nicht umdrehen und blickt starr geradeaus. Where you guys from? Germany, antwortet Konrad. Sie hört an seiner Stimme, wie aufgeregt er ist. You guys on holiday? Yes, sagt Konrad. We wanted to see an Indian reservation, fügt er hinzu. Du wolltest das, denkt Louisa. Not much to see, sagt der Indianer auf dem Rücksitz. Er lacht ein kehliges Lachen. We were at Wounded Knee, sagt Konrad. Wie er sich einschleimt. Doch von hinten ertönt nur ein unbestimmtes Grunzen. Louisa würde Konrad gerne fragen, was er sich dabei gedacht hat, den Fremden mitzunehmen, doch sie findet es unhöflich, deutsch zu sprechen und wirft Konrad nur einen bösen Seitenblick zu. Got a smoke? Eigentlich rauchen Konrad und Louisa im Auto nicht, aber Konrad hält die Schachtel Marlboro nach hinten und Louisa dreht sich zum ersten Mal um, um dem Indianer das Feuerzeug zu reichen. Thanks, sagt er. Seine Augen sind sehr dunkel, unergründlich, findet Louisa, der Gesichtsausdruck stumpf.  Er ist etwa Mitte bis Ende dreißig und macht einen abgerissenen Eindruck. Schnell dreht sich Louisa wieder nach vorne. Das Feuerzeug klickt und Rauch nebelt den Innenraum des Escape ein. Louisa fühlt eine leichte Übelkeit. You live here? fragt Konrad. Yepp, sagt der Indianer. I’m Oglala-Sioux. Louisa meint, einen gewissen Stolz in seiner Stimme zu hören. Konrad legt jetzt los. I love the Sioux, sagt er. In seinem Schulenglisch beginnt er, von Sitting Bull und Crazy Horse zu schwärmen. Büffeljagd, Mustangs, Tipis, Powwows. Der Mit Dem Wolf Tanzt. Great Movie, meint Konrad. Das American Indian Movement. Die Wounded-Knee-Besetzung von 1973. Indianische Spiritualität. Mutter Erde. Konrad kommt jetzt richtig in Fahrt. Sein Kopf  ist hochrot, und unter den Achseln breitet sich ein Schwitzfleck aus. I love the Sioux, wiederholt Konrad. A free people, sagt Konrad. A free people with a free spirit. Louisa muss ein wenig grinsen. Gleich wird er ihm Blutsbrüderschaft anbieten, denkt sie. I was 12 years in prison, sagt der Anhalter. Konrad klappt den Mund zu. Manslaughter. Killed a white man. Sie hört Konrads lauten Atem. Louisa muss jetzt ganz dringend auf die Toilette.

Mitte November 1890 hatte der Geistertanz in den Sioux-Reservaten derart um sich gegriffen, dass das ganze übrige Leben zum Stillstand kam. Trotz des kalten Winterwetters tanzten die Geistertänzer, nur mit den bemalten Geisterhemden bekleidet, bis sie in Trance fielen. Siedler und Rancher vermuteten in den nächtlichen Gesängen die Vorbereitungen zu einem breiten Aufstand. Von Washington erging Befehl an alle Agenturen, den Geistertanz zu unterbinden und die Anführer zu verhaften. Das Kriegsministerium schickte umgehend achttausend Soldaten, darunter Veteranen der Custer-Schlacht. Das Schweigen im Auto ist drückend. Der Regen hat nachgelassen, und nicht einmal das gleichmäßige Klacken der Scheibenwischer durchbricht die Stille. Manslaughter. Niemand weiß, wo sie sind, schießt es Louisa durch den Kopf. Pine Ridge Indian Reservation. Draußen gleitet die Prärie vorbei. Scheißprärie, denkt Louisa. Scheißprärie, Scheißindianer, Scheißkonrad. Sie spürt ihr Herz laut pochen. Der Harndrang ist unerträglich.

Am Nachmittag des 28. Dezember traf Major Samuel Whitside mit seinen vier Kavallerietrupps in der Nähe des Porcupine Creek auf Häuptling Big Foot und seine Minneconjou-Sioux. Whitside erklärte ihm, dass er Anweisung habe, ihn zu einem Militärlager am Wounded Knee Creek zu bringen. Der an Lungenentzündung erkrankte Häuptling wurde in einen Ambulanzwagen der Armee umgebettet, dann setzte sich der Zug Richtung Pine Ridge in Bewegung. Major Whitside und zwei Kavallerietrupps übernahmen die Führung, der Ambulanzwagen und die anderen Wagen folgten, hinter ihnen wurden dicht gedrängt die Indianer hergetrieben, 120 Krieger und 230 Frauen und Kinder. Die zwei restlichen Kavallerietrupps und zwei Hotchkisskanonen bildeten die Nachhut. Bei Sonnenuntergang zog die Kolonne über den letzten Hügel und den Hang hinunter zum Chankpe Opi Wakpala, dem Fluss, den man Wounded Knee nannte. Manslaughter hieß Totschlag. Das war Tötung aus Versehen. Oder hieß es Abschlachten? Im Handschuhfach lag ein Schweizer Messer. Want another cigarette? Das Zittern in Konrads Stimme ist unüberhörbar. Der Indianer zögert nicht. Die Rauchschwaden, die ihren Kopf vernebeln, lassen Louisa würgen. Der Indianer kramt von irgendwoher eine Cola-Dose hervor und leert sie in mehreren großen Zügen. Dann rülpst er laut, lässt die Scheibe herunter und wirft sie hinaus. You guys like jokes? Louisa ist nicht zum Lachen zumute, doch Konrad nickt wie ein Nickesel und sagt Sure. Der Indianer legt los. Why do I always think of General Custer when I take a shower? Louisa und Konrad wissen es nicht. Because of Custer’s Last Stand. Louisa hat die Pointe nicht richtig verstanden, doch es ist irgendetwas Versautes. Konrad gibt einen Laut von sich, der dem Meckern einer Ziege ähnelt. What’s the difference between General Custer and Jack Daniels? Der Anhalter macht eine kleine Pause. Jack Daniels is still killing Indians. Die Custer-Witze prasseln von hinten auf sie ein wie saurer Regen. A South Dakota town hires Salvatore Dali to paint a picture of Custer’s Last Stand for their new City Hall. On the day of the unveiling everyone is shocked. In his painting there is cow dung with a halo above it and many Indians having sex. Von hinten ein dreckiges Lachen. The mayor says, Mr Dali, would you mind telling us what the hell this is? Dali answers that he painted Custer’s last words. Pause. ‚Holy shit, where did all these fuckin‘ Indians come from’? Der Indianer lacht röhrend und klatscht sich auf die Schenkel, und Louisa und Konrad stimmen wiehernd ein. Louisas Kopf dröhnt, und ihre Brust fühlt sich eng an. Der Indianer scheint jetzt sein Pulver verschossen zu haben, und die Stille macht sich erneut in dem Escape breit. Indians like jokes, sagt der Anhalter mit plötzlich bierernster Stimme. Helps you survive in the fuckin‘ white man’s world. Turn right, sagt er zu Konrad, Konrad fragt leise Here?, der Indianer sagt Yepp, und Konrad biegt gehorsam auf einen ungeteerten Feldweg ein. Louisas Herz pocht bis zum Hals. Wenn sie nicht bald eine Toilette findet, wird sie auf den Sitz pinkeln.

Später am Abend kam der Rest des 7. Regiments von Osten und biwakierte nördlich von Major Whitsides Truppen. Colonel James W. Forsyth, der General Custers früheres Regiment befehligte, übernahm die Leitung der Operationen und erteilte im Morgengrauen Befehl an die gefangenen Indianer, alle Feuerwaffen abzugeben. Unzufrieden mit der Anzahl der freiwillig abgegebenen Waffen begannen die Soldaten, die Tipis zu durchsuchen und befahlen den Kriegern, ihre Decken abzulegen. Der Medizinmann Yellow Bird protestierte heftig, machte einige Geistertanzschritte, sang eines der heiligen Lieder und sagte den Kriegern, dass die Kugeln der Blauröcke ihre Kleider nicht durchdringen könnten. Der Escape quält sich langsam den holprigen Schotterweg entlang. Konrad hat Mühe, den riesigen Schlaglöchern auszuweichen. Steinchen fliegen hoch und prasseln wie Revolverschüsse  gegen den Lack. Wenn sie nicht achtgeben, werden sie den Escape ruinieren. You guys know any jokes? unterbricht der Indianer das Schweigen. Louisas Kopf ist so leer wie der Friedhof von Wounded Knee. Kommt ‚ne Blondine zum Arzt, beginnt Konrad in seinem schlechten Englisch, und Louisa lacht hysterisch. Ihre Blase wird gleich platzen. Sie lacht, bis ihr die Tränen kommen und sie laut schluchzt. Sie will nicht sterben. Die Pointe bekommt sie nicht mit. I like blonde women, sagt der Indianer. You got a pretty wife. Sie spürt  jetzt ganz deutlich seinen Atem im Nacken.

Bei einem jungen Krieger namens Black Coyote fanden die Soldaten eine neue Winchester. Black Coyote hob das Gewehr über den Kopf und rief, er habe viel Geld dafür bezahlt und gebe es nur gegen Bezahlung aus seiner Hand. Als ein Soldat ihm gewaltsam das Gewehr entreißen wollte, löste sich ein Schuss. Die US-Soldaten begannen sofort blindlings zu feuern. Die Hotchkisskanonen auf dem Hügel nahmen die Fliehenden unter Beschuss. Sie feuerten ohne Pause Granaten auf das Indianerlager ab und zerfetzten mit ihren Schrapnells die Tipis. Als das Massaker endete, waren Big Foot und fast dreihundert indianische Männer, Frauen und Kinder ums Leben gekommen. Manslaughter. Das Abschlachten von Menschen aus Versehen. Am linken Wegrand taucht hinter einer Gruppe von Krüppelkiefern ein zerbeulter Wohnwagen auf. That’s it, sagt der Indianer. Konrad tritt auf die Bremse und der Indianer steigt aus. Thanks for the ride, sagt er. Nice meeting you guys. Have a safe trip. Konrad verharrt einen Moment wie erstarrt, dann wendet er mit quietschenden Reifen. Ich muss mal, sagt Louisa, sobald sie die Straße wieder erreicht haben. Konrad hält, und Louisa hockt sich in das Präriegras. Es ist feucht vom Regen und duftet, und sie spürt das Kitzeln der Halme auf ihrer nackten Haut. Der Strahl kommt gelb und kräftig und platscht auf die Erde wie bei einer Büffelkuh. Der Himmel ist endlos weit, und in der Ferne meint sie die Black Hills zu erahnen.

Über die Autorin

Frauke Buchholz wurde 1960 in der Nähe von Düsseldorf geboren. Sie studierte Anglistik und Romanistik und promovierte über zeitgenössische indianische Literatur. 

Sie liebt das Reisen und fremde Kulturen und hat einige Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada verbracht. Heute lebt sie in Aachen und schreibt Romane und Kurzgeschichten, die in zahlreichen Anthologien erschienen sind. Ihre Geschichte „Barfly“ wurde 2020 mit dem 1. Preis der Gruppe 48 ausgezeichnet.

Frauke Buchholz

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